Die Sprüche unserer Kindheit

Vor kurzem fiel mir mein altes Poesiealbum in die Hand und ich stellte fest: manche der Sprüche, die darin stehen, konnte ich mühelos auswendig rezitieren. Beispielsweise den, den mir mein Vater (damals 34 Jahre alt) hineinschrieb, als ich sieben Jahre alt war:

Sag nie, ich habe keine Lust, das Leben sagt Dir doch, du musst!

Dieser Spruch hat mich lange Zeit begleitet, ich konnte mich in meiner kindlichen Unreflektiertheit gut damit identifizieren, ja, irgendwie hat er mich sogar motiviert, mich gegen den Fluss des Lebens, insbesondere aber meines eigenen Seins zu stemmen.

Ich bin KI gegenüber sehr skeptisch, aber hier möchte ich nun doch einmal aufgreifen, was sie ausspuckt, wenn man diesen Spruch in Google eingibt:

Und gleichwohl ist ein Spruch wie dieser, und er ist absolut kein Einzelfall, kennzeichnend für die Lebenshaltung der Generation unserer Eltern. Die Lebensumstände der Nachkriegszeit ließen eben nicht viel Spielraum für freie Entfaltung, Phantasie, Gefühle und dem Nachgehen der eigenen Bedürfnisse. Stattdessen waren Anpassung, Pflichterfüllung, Durchhalten und Disziplin gefragt, um die inneren Wirren und Schuldgefühle zu überwinden und sich auf materieller Ebene Selbstwertgefühl und Wohlstand zu erarbeiten.

„Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“, wird in dem Zusammenhang auch gerne Friedrich Nietzsche zitiert, aber um welch eine Form von Stärke geht es dabei? Sicher nicht um eine körperliche oder oberflächliche Widerstandskraft, sondern vielmehr um die Fähigkeit, auch aus leidvollen Erfahrungen etwas Positives, Förderliches erschaffen zu können – heute bezeichnet man diese Fähigkeit der Verarbeitung (die weitaus mehr beinhaltet als einfaches „Aushalten“) auch mit dem Begriff Resilienz. Leider wird sein Zitat aber auch heute noch missverstanden und missbraucht, beispielsweise um harte und lieblose Erziehungs- oder Führungsmethoden zu rechtfertigen.

Dass die KI ihre obigen Informationen im wesentlichen aus einem „Diskussionsforum Depression“ generiert hat spricht Bände im Hinblick auf die Wirkungen einer solchen inneren wie äußeren Ausrichtung. Die Sprüche unserer Kindheit haben sich zu tiefgehenden, unterbewusst hochgradig wirksamen Glaubenssätzen verselbstständigt, mit gravierenden Auswirkungen auf unsere Lebensqualität.

In diesem Bewusstsein laden wir euch ein, mit uns gemeinsam die „Sprüche unserer Kindheit“ zu reflektieren und mit unserer Unterstützung liebevoll aufzulösen. Denn es geht nicht um Hadern oder Widerstand, sondern um Bewusstwerdung, Annahme und Loslassen.

Bring zu dem Abend gerne zwei Beispiele für Sätze DEINER Kindheit mit, und sei Dir sicher, sobald Du sie ausgewählt hast, geschieht auch schon bevor wir zusammenkommen etwas in Dir. Wir freuen uns auf Dich.

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